
ASSEDEL hatte die Ehre, mit dem irischen Europaabgeordneten Michael McNamara, Mitglied der Fraktion Renew Europe und des Ausschusses des Europäischen Parlaments für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres (LIBE), zu sprechen. Im Gespräch wurden die drängenden Herausforderungen untersucht, denen Europa heute gegenübersteht – vom Schutz der bürgerlichen Freiheiten bis hin zum Umgang mit den globalen geopolitischen Spannungen.
Das breite Mandat des LIBE-Ausschusses
Die Arbeit des LIBE-Ausschusses umfasst ein breites Spektrum justizbezogener Themen, weshalb es laut Herrn McNamara schwierig ist, eine einzige Priorität hervorzuheben. Die einzelnen Abgeordneten konzentrieren sich häufig auf unterschiedliche Bereiche. Für viele Mitglieder des Ausschusses ist die Rechtsstaatlichkeit ein wichtiger Schwerpunkt, während andere sich beispielsweise auf die Migrationspolitik konzentrieren. McNamara selbst beschäftigt sich insbesondere mit digitalen Rechten und dem Schutz der Privatsphäre. Er erklärt, dass die Vereinfachung von Regelungen einen wichtigen Schwerpunkt des Parlaments in dieser Legislaturperiode darstellt. Dabei sei es entscheidend sicherzustellen, dass die Grundfreiheiten vollständig geschützt bleiben und durch diesen Prozess nicht geschwächt werden.
Schrumpfende Medienlandschaft und KI: Eine Herausforderung für die Demokratie
McNamara betrachtet den Rückgang unabhängiger Medien als eine der ernsthaftesten Bedrohungen für bürgerliche Freiheiten und Rechtsstaatlichkeit in Europa. Seiner Ansicht nach verändert der Aufstieg KI-gestützter Suchmaschinen, die einzelne Antworten anstelle einer Vielzahl unterschiedlicher Quellen liefern, die Möglichkeiten für Journalistinnen und Journalisten, ihre Arbeit zu monetarisieren. Wenn immer weniger Plattformen den investigativen Journalismus unterstützen, könnte die Öffentlichkeit weniger über Menschenrechtsverletzungen erfahren. Dies sei eine besorgniserregende Entwicklung für die demokratische Rechenschaftspflicht.
„Wenn niemand von Menschenrechtsverletzungen weiß, ist es weniger wahrscheinlich, dass sie thematisiert und angegangen werden.“
Hinzu kommen eine zunehmende Kultur der Intoleranz und wachsende Einschränkungen der Meinungsfreiheit.
Regulierung der Technologie: Ist die EU zu schnell oder zu langsam?
Kritiker werfen Regierungen häufig vor, zu langsam auf den technologischen Wandel zu reagieren. McNamara weist jedoch darauf hin, dass die EU bei der Regulierung von Technologien tatsächlich eine Vorreiterrolle auf globaler Ebene eingenommen hat. Er verweist dabei auf zentrale Rechtsakte wie das Gesetz über digitale Dienste (Digital Services Act – DSA), das Gesetz über digitale Märkte (Digital Markets Act – DMA) und das Gesetz über künstliche Intelligenz (AI Act). Gleichzeitig erkennt er den zunehmenden Widerstand seitens der Industrie sowie den Druck an, die Umsetzung bestimmter Teile dieser Regelwerke zu verlangsamen oder zu „vereinfachen“.
Schutz der Rechtsstaatlichkeit im In- und Ausland
Im Hinblick auf Bedenken hinsichtlich eines demokratischen Rückschritts in EU-Mitgliedstaaten verweist McNamara auf die laufenden Maßnahmen gegenüber Ungarn und – in geringerem Umfang – Polen. Er weist jedoch darauf hin, dass politische Voreingenommenheit möglicherweise beeinflussen kann, wie ernst solche Bedenken genommen werden, insbesondere wenn nationale Regierungen politischen Gruppierungen im Europäischen Parlament nahestehen.
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ASSEDEL