Geschlechtergleichstellung, Haushaltsplanung und Umsetzung: Ein Gespräch mit der Europaabgeordneten Benedetta Scuderi

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Im Rahmen der anhaltenden Debatten über Geschlechtergleichstellung und die politische Gestaltung der EU sprach ASSEDEL mit Benedetta Scuderi, Mitglied des Europäischen Parlaments für die Fraktion der Grünen/EFA und Mitglied des Ausschusses für die Rechte der Frauen und die Gleichstellung der Geschlechter (FEMM). Sie ist außerdem Schattenberichterstatterin für den Bericht zur Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter 2025.

Im Interview sprach die Europaabgeordnete Scuderi über die wichtigsten Prioritäten des FEMM-Ausschusses, die politischen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Gesetzgebung zur Geschlechtergleichstellung sowie über die Bedeutung, Strategien in konkrete Maßnahmen umzusetzen.

Feministische Errungenschaften und politische Prioritäten

Die Europaabgeordnete Scuderi hob jüngste Meilensteine hervor, darunter die Annahme von „My Voice, My Choice“, mit der das Europäische Parlament seine Position für einen sicheren und legalen Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen bekräftigte und einer Europäischen Bürgerinitiative Rechnung trug. Sie betonte, dass der FEMM-Ausschuss über Strategien und Aktionspläne hinaus darauf fokussiert ist, eine wirksame Umsetzung sicherzustellen und Gleichstellungspolitiken in sämtliche Rechtsvorschriften der EU zu integrieren. Ihre Arbeit zielt zudem darauf ab, Geschlechtergleichstellung mit Arbeitsmarkt-, Sozial- und Wirtschaftspolitik zu verknüpfen, was ihre Tätigkeit sowohl im Bereich der Frauenrechte als auch in beschäftigungsbezogenen Ausschüssen widerspiegelt.

Die Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter und politischer Widerstand

Als Schattenberichterstatterin zeigte sich die Europaabgeordnete Scuderi insgesamt zufrieden mit dem Anspruch der Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter, räumte jedoch ein, dass diese in einem politisch feindseligen Umfeld ausgehandelt wurde. Sie verwies auf den systematischen Widerstand der extremen Rechten, der häufig durch Teile der Mitte-Rechts-Parteien verstärkt werde und Fortschritte bei Themen wie Gender Mainstreaming, haushaltspolitischen Verpflichtungen und den Rechten von trans Personen begrenzt habe. Trotz dieser Rückschläge betonte sie wichtige Fortschritte, darunter eine stärkere Verknüpfung von Geschlechtergleichstellung mit Pflegearbeit, Beschäftigung, Gesundheit, reproduktiven Rechten und Intersektionalität.

Haushaltsplanung, Daten und Umsetzungslücken

Ein zentrales Anliegen der Europaabgeordneten Scuderi war die unzureichende Verankerung der Geschlechtergleichstellung im Mehrjährigen Finanzrahmen der EU. Sie argumentierte, dass politische Verpflichtungen ohne eigene Haushaltslinien und eine systematische Integration der Geschlechterperspektive Gefahr laufen, symbolisch zu bleiben. Zudem wies sie auf strukturelle Geschlechterungleichgewichte innerhalb der parlamentarischen Ausschüsse hin, insbesondere bei Entscheidungen über Haushaltsmittel.

Hinsichtlich der Umsetzung betonte sie die dringende Notwendigkeit verlässlicher, EU-weiter Daten zu geschlechtsspezifischen Fragen. Ohne eine angemessene Datenerhebung und Überwachung sei es ihrer Ansicht nach unmöglich zu beurteilen, ob die Mitgliedstaaten bestehende Rechtsvorschriften einhalten, oder wirksame politische Maßnahmen für die Zukunft zu entwickeln.

Femizid, Bildung und Prävention

Mit Blick auf die jüngsten Entwicklungen in Italien begrüßte die Europaabgeordnete Scuderi die rechtliche Anerkennung des Femizids als wichtigen kulturellen und symbolischen Schritt. Gleichzeitig warnte sie davor, dass das Strafrecht allein Gewalt nicht verhindern könne. Für sie liegt echte Prävention in einer verpflichtenden, altersgerechten Sexual- und Beziehungsbildung, die sich auf Einvernehmen, Beziehungen und Respekt konzentriert – Bereiche, die ihrer Ansicht nach entscheidend sind, um strukturelle geschlechtsspezifische Gewalt zu bekämpfen.

ASSEDEL mit Sitz in Straßburg und dem Engagement für die Förderung der Menschenrechte und europäischer Werte verfolgt weiterhin Entwicklungen, die die Zukunft der europäischen Demokratie und der internationalen Beziehungen prägen, und macht diese sichtbar.

Sehen Sie sich das vollständige Interview auf unserem YouTube-Kanal an!

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