
Am 30. Oktober hatte ASSEDEL die Gelegenheit, zwei Verfassungsrechtsexperten zu Artikel 49-3 unserer Verfassung zu befragen. Herr Jean-Philippe DEROSIER und Frau Lauréline FONTAINE debattierten fast eine Stunde lang über die Notwendigkeit oder Nichtnotwendigkeit einer Reform dieses Artikels. Sie nahmen sich außerdem die Zeit, die Fragen der Zuschauerinnen und Zuschauer im YouTube-Livestream zu beantworten.
Zur Erinnerung: Artikel 49-3 der Verfassung erlaubt es der Regierung, die Vertrauensfrage zu einem Gesetzestext zu stellen und, sofern kein Misstrauensantrag angenommen wird, dessen Annahme durch die Nationalversammlung ohne Abstimmung der Abgeordneten zu erreichen. Der Text steht im Mittelpunkt des aktuellen Geschehens: Die Premierministerin Elisabeth Borne hat ihn seit Beginn ihrer Amtszeit bereits 14-mal angewandt. Auch die Venedig-Kommission hat in einer Zwischenstellungnahme ihre Bedenken geäußert und darin seine möglicherweise schädlichen Auswirkungen auf die demokratische Debatte sowie das Scheitern des Misstrauensantrags als Mechanismus gegen die Anwendung des 49-3 angesprochen.
Im Verlauf der Debatte erläuterte Herr Derosier, dass dieser Artikel für die Regierung wichtig sei. Er verschaffe ihr ein Druckmittel gegenüber der Nationalversammlung und sichere die Stabilität der Regierung. Das Prinzip der Demokratie, das auf der Beratung zwischen den verschiedenen gesellschaftlichen Interessen beruht, die die Parlamentarier vertreten, werde dadurch hingegen besonders beeinträchtigt, erklärte uns Frau Fontaine.
Unsere Gäste äußerten sich anschließend zu mehreren Kernpunkten, wie dem Misstrauensantrag und dem System des rationalisierten Parlamentarismus, und nahmen Stellung zur Idee einer Reform oder sogar einer vollständigen Abschaffung des Artikels.
Die gesamte Debatte können Sie unten ansehen.
ASSEDEL